Bei der Auswahl von Kunststoffmaterialien sehen wir häufig zwei Sätze paralleler Daten – ISO und ASTM –, die aus unterschiedlichen Prüfnormen stammen: der International Organization for Standardization (ISO) und der American Society for Testing and Materials (ASTM).
Viele Ingenieure fragen beim Vergleich von Materialeigenschaftstabellen am häufigsten: „Beide messen die Zugfestigkeit; was ist besser, 50 MPa nach ISO oder 55 MPa nach ASTM?“ Die Antwort ist leider, dass sie nicht direkt verglichen werden können und manchmal eine Umrechnung unmöglich ist.

Warum können Daten, die „ähnlich aussehen“, nicht verglichen werden?
Obwohl ISO und ASTM gleichnamige Eigenschaften wie Schlagzähigkeit und Biegemodul messen, lassen die unterschiedlichen „Variablen“ im Messprozess die Endergebnisse wie Messungen mit einem „metrischen Lineal“ und einem „gestreckten imperialen Lineal“ erscheinen – die Werte können nicht einfach verglichen werden.
Hauptunterschiede:
Probenform und -größe: Selbst bei gleichem Material weisen ein langer Streifen und eine Hantelform bei Belastung völlig unterschiedliche Festigkeiten auf. ISO-Standardproben sind normalerweise dicker oder länger als ASTM-Proben.
Prüfgeschwindigkeit: Polymermaterialien sind viskoelastisch. Wenn man sie schnell dehnt, werden sie spröder und fester; Wenn man sie langsam dehnt, werden sie belastbarer. Es gibt oft subtile Unterschiede in den „Zuggeschwindigkeits“-Spezifikationen zwischen ISO und ASTM.
Umweltvorbehandlung: Soll das Material 24 Stunden oder 48 Stunden bei 23 °C und 50 % Luftfeuchtigkeit gelagert werden? Wie viel Temperaturabweichung ist beim Testen zulässig? Diese subtilen Umgebungsunterschiede können die Testergebnisse erheblich verändern.
Typische Fälle
Fall 1: Kragträger-Schlagfestigkeit (LZOD-Schlag)
Dies ist der Test, der am anfälligsten für Missverständnisse ist.
Izod-Schlagzähigkeitstest
| Differenzartikel | ASTM D256 | ISO 180 |
| Probendicke | Typischerweise 3,2 mm (1/8 Zoll) | Typischerweise 4 mm |
| Kerbenform | Relativ fest | Erhältlich in Typ A und Typ B |
| Ergebniseinheiten | J/m (Energie/Probenbreite) | k/m² (Energie/Querschnittsfläche) |
ASTM misst Energie pro Breiteneinheit, während ISO Energie pro Flächeneinheit misst. Obwohl die Einheiten mathematisch umgerechnet werden können, fehlt den resultierenden Werten aufgrund der unterschiedlichen inneren Spannungszustände, die durch die Probendicke verursacht werden, immer noch die akademische Äquivalenz.
Fall 2: Zugeigenschaften
Man könnte meinen, dass „Bruchkraft“ vergleichbar ist, oder? Eigentlich nein.
Unterschied: Testgeschwindigkeit
ASTM D638: Ermöglicht einen größeren Bereich an Prüfgeschwindigkeiten und verfügt über spezifische empfohlene Geschwindigkeiten für Materialien mit unterschiedlichen Modulen.
ISO 527 legt äußerst strenge Geschwindigkeitsanforderungen fest. Insbesondere bei der Messung des „Zugmoduls“ erfordert ISO die Messung mit einem Dehnungsmesser bei extrem niedrigen Geschwindigkeiten (typischerweise 1 mm/min).
Da Kunststoffe eine erhebliche Dehnungsgeschwindigkeitsempfindlichkeit aufweisen, sind die erhaltenen Festigkeitsdaten bei Verwendung einer schnelleren ASTM-Geschwindigkeit im Allgemeinen höher als die langsameren ISO-Daten.
Ein Leitfaden zur Vermeidung von Fallstricken für Ingenieure
Wenn Sie Materialien auswählen oder Alternativen prüfen, befolgen Sie bitte diese Grundsätze:
1. Vergleichen Sie innerhalb desselben Systems: Priorisieren Sie immer Vergleiche innerhalb desselben Standardsystems, z. B. den Vergleich von ISO-Werten mit anderen ISO-Werten.
2. Suchen Sie nach „Dual-Standard“-Eigenschaftstabellen: Viele große internationale Hersteller (wie DuPont und BASF) listen beide Testergebnisse auf; Dies ist die sicherste Referenz.
3. Konzentrieren Sie sich auf Trends, nicht auf absolute Werte: Wenn Material A gemäß ASTM-Standards 20 % stärker ist als Material B, dann ist Material A normalerweise auch gemäß ISO-Standards besser. Obwohl Zahlenwerte nicht direkt umgerechnet werden können, ist die Rangfolge der Leistungsüberlegenheit in der Regel konsistent.
4. Auf Einheiten achten: Insbesondere bei Schlagzähigkeit und Wärmeformbeständigkeit unbedingt prüfen, ob die Endung kJ/m² oder J/m lautet.
Zusammenfassend:
ISO und ASTM stellen zwei unterschiedliche Sätze von „Spielregeln“ dar. Während beide Materialeigenschaften beschreiben, führen Unterschiede in den Prüfwerkzeugen, Probengrößen und Spannungslogik zu Lücken in den Daten.
In Forschung, Entwicklung und Design kann die zwangsweise Ersetzung von ASTM-Daten in Simulationsberechnungen, die ISO-Standards erfordern, zu einer Überkonstruktion oder einem vorzeitigen Ausfall der Produktstruktur führen.




